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amtsärztliche Untersuchung auf Dienstunfähigkeit im Beamtenrecht

Untersuchung durch den Amtsarzt / Personalarzt / Betriebsarzt


Die Überprüfung der Dienstfähigkeit erfolgt durch Amtsärzte oder besonders zugelassene Ärzte,
vgl. § 48 Bundesbeamtengesetz bzw. bei Landesbeamten in Hamburg durch den Personalärztlichen Dienst (= PÄD) oder z. B. auch (wogegen es Bedenken gibt) durch Betriebsärzte der Postnachfolgeunternehmen.

Die Beamtengesetze enthalten übereinstimmend ähnliche Regelungen über die Pflicht, sich einer solchen Untersuchung zu unterziehen.

Der Beamte erhält meist nach längerer Erkrankung oder wegen konkreter Auffälligkeiten (z.B.: Verdacht der Alkoholabhängigkeit; sehr häufige Kurzzeiterkrankungen) auf Veranlassung seiner Beschäftigungsbehörde eine Einladung eines Amts- oder Betriebsarztes bzw. des PÄD zu einer Untersuchung.

Sie finden in den "Mitteilungen für die Verwaltung" der Hansestadt Hamburg im Jahrgang 2013 auf S. 2 ff. die "Verwaltungsvorschrift zu den §§ 26 ff. Beamtenstatusgesetz und §§ 41 ff. Hamburgisches Beamtengesetz", in der viele Einzelheiten erläutert werden.
Dort gibt es auf Seite 3 unter der Überschrift "Zweifel an der Dienstfähigkeit" eine Handlungsanweisung für die Verwaltung.
Es heißt dort:
1. Zweifel an der Dienstfähigkeit
1.1. Zweifel an der Dienstfähigkeit von Beamten (§ 41 Abs. 1 Satz 1 HmbBG) sind insbesondere dann angebracht, wenn deren krankheitsbedingte Dienstunfähigkeit innerhalb eines halben Jahres länger als insgesamt drei Monate angedauert hat. Liegen dem Dienstvorgesetzten zu diesem Zeitpunkt keine Informationen (z.B. im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements - BEM) über eine absehbare Wiederherstellung der uneingeschränkten Dienstfähigkeit innerhalb der nächsten sechs Monate (§ 41 Abs. 2 HmbBG) vor, so ist der Personalärztliche Dienst mit einer Untersuchung und gutachterlichen Stellungnahme zur Prognose der Wiederherstellung der Dienstfähigkeit - ggf. in alternativen Verwendungen (§ 26 Abs. 2 und 3 BeamtStG) oder im Rahmen der begrenzten Dienstfähigkeit (§ 27 BeamtStG) - zu beauftragen.
Der Personalärztliche Dienst soll spätestens nach einer ununterbrochenen Dienstunfähigkeit von sechs Monaten mit einer Begutachtung nach § 41 Abs. 1 Satz 1 HmbBG beauftragt werden.
1.2. Zweifel an der Dienstfähigkeit können sich im Einzelfall auch ergeben, wenn der Beamte seinen Dienst zwar versieht, sich jedoch aus der Art und Weise der Dienstausübung Anhaltspunkte für ein Nachlassen der körperlichen oder geistigen Kräfte ergeben, das die ordnungsgemäße Erfüllung der Dienstpflichten verhindert."

Den vollständigen Text der Verwaltungsvorschrift der Hansestadt Hamburg finden Sie hier (pdf).

Früher war umstritten, ob die Anordnung einen Verwaltungsakt darstellt.


Nunmehr dürfte die Sache geklärt sein, weil das Bundesverwaltungsgericht in einem Urteil vom 26.04.12 - 2 C 17.10 - ganz lapidar ausführt:
"Allerdings war die Verweigerung der Untersuchung nicht schon deshalb rechtlich unbeachtlich, weil der Kläger gegen die Anordnung Klage erhoben hat. Dieser Klage kommt keine aufschiebende Wirkung im Sinne von § 80 Abs. 1 Satz 1 VwGO zu, weil es sich bei der Anordnung nicht um einen Verwaltungsakt handelt (vgl. zu einer gegenüber einem Ruhestandsbeamten ergangenen Untersuchungsanordnung, Beschluss vom 19.06.00 - BVerwG 1 DB 13.00 - BVerwGE 111, 246 <250>). Die Anordnung hat keine unmittelbare Außenwirkung im Sinne von § 35 Satz 1 VwVfG, der nach § 1 Abs. 2 NVwVfG anwendbar ist."

Noch wichtiger ist eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 14.03.19, mit der sich viele Fragen (und ein Teil unserer Internetseite) erledigt haben, weil das Bundesverwaltungsgericht in seiner ganzen, von der Praxis bisweilen ein wenig abgehobenen Weisheit am 14.03.19 folgendes entschieden hat:
Bundesverwaltungsgericht, Beschluss vom 14.03.19 - BVerwG 2 VR 5.18 -

Leitsätze:

1. Eine Untersuchungsanordnung zur Feststellung der Dienstfähigkeit eines Beamten im Rahmen eines Zurruhesetzungsverfahrens ist gemäß § 44a VwGO nicht isoliert angreifbar, sondern - falls der Beamte der Anordnung nicht folgt - nur im Rahmen des (Eil- oder Klage-)Verfahrens gegen die nachfolgende Zurruhesetzungsverfügung (inzidenter) gerichtlich überprüfbar.

2. Bei einer auf die gesetzliche Vermutungsregel nach § 44 Abs. 1 Satz 2 BBG (§ 26 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG) wegen längerer Fehlzeiten des Beamten gestützten Untersuchungsanordnung gelten die zu Fällen einer Untersuchungsanordnung nach § 44 Abs. 1 Satz 1 BBG (§ 26 Abs. 1 Satz 1 BeamtStG) in der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen nicht.

3. Auch bei einer Untersuchungsanordnung, bei der der Dienstherr seine Zweifel an der Dienstfähigkeit auf § 44 Abs. 1 Satz 1 BBG (§ 26 Abs. 1 Satz 1 BeamtStG) stützt, können - unterhalb der zeitlichen Mindestgrenze des § 44 Abs. 1 Satz 2 BBG (§ 26 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG) liegende - Fehlzeiten eine Untersuchungsanordnung rechtfertigen.

4. Auch eine auf bloßen Fehlzeiten beruhende Untersuchungsanordnung nach § 44 Abs. 1 Satz 2 BBG (§ 26 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG) kann sich auf psychiatrische Untersuchungen erstrecken.

5. Eine Untersuchungsanordnung kann sich - wenn erforderlich - auf mehrere Termine und thematisch verschiedene (fach-)ärztliche Untersuchungen erstrecken. Sie kann insbesondere beinhalten, dass sich der Beamte ggf. einer von dem beauftragten (Amts-)Arzt für erforderlich gehaltenen Zusatzbegutachtung zu unterziehen hat.



Ein Widerspruch gegen die Anordnung ist danach wohl nicht mehr möglich


Nach der vorstehenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts gilt folgendes wohl nicht mehr:
Ob nun Verwaltungsakt oder nicht: ein Widerspruch ist zulässig, sofern nicht das Landesbeamtengesetz für diesen Fall das Widerspruchsverfahren ausschließt - dann kann Klage erhoben werden und die Rechtmäßigkeit kann überprüft werden (vergleichen Sie dazu auch den Kommentar von Kugele, BBG, § 44 RN 31 / Tegethoff).
Ordnet der Dienstherr die sofortige Vollziehung ausdrücklich an oder ist er nicht bereit, die Untersuchung aufzuschieben, so kann nach überwiegender Auffassung ein verwaltungsgerichtliches Eilverfahren betrieben werden. Die Praxis verfährt jedenfalls so und behandelt Anträge nach § 123 VwGO als zulässig.

Die Abläufe


Hat der Beamte sich der Untersuchung zu stellen, dann wird er seine behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden müssen (OVG Bautzen, ZBR 06, 174, 175), so dass der Amtsarzt (bzw. in Hamburg der PÄD) umfassende Informationen beiziehen kann. Ggf. empfiehlt es sich, dass der Beamte Stellungnahmen und Äußerungen seiner Ärzte zuvor einholt und mit zur Untersuchung nimmt.

Das Ergebnis der Untersuchung wird der Beschäftigungsbehörde schriftlich mitgeteilt, § 48 II Bundesbeamtengesetz.
Der Beamte selbst wird oft nicht (umfassend) informiert. Hier sollte man zumindest auf Erteilung einer Abschrift drängen. Im Bundesbeamtengesetz ist das ausdrücklich vorgesehen,
bitte vergleichen Sie § 48  Absatz 3 Satz BBG:
"Die Ärztin oder der Arzt übermittelt der Beamtin oder dem Beamten oder, soweit dem ärztliche Gründe entgegenstehen, einer oder einem Bevollmächtigten ein Doppel der Mitteilung nach Absatz 2."

Das Bundesverwaltungsgericht hat sich zu Fragen der Beauftragung von Ärzten noch einmal geäußert, und zwar in dem Revisionsverfahren BVerwG 2 C 7.11, welches sich gegen eine Entscheidung des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts vom 29.01.10 - OVG 3 LB 39/09 - richtete.
Das Urteil vom 26.01.12 finden Sie mit seinem vollen Text auf der Seite des Bundesverwaltungsgerichts.
Grundsätzliches auch im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26.04.12 - BVerwG 2 C 17.10 -.

Amtsärzte können die Personalakte einsehen. § 111 Bundesbeamtengesetz lautet auszugsweise:
(1)  ... Einer Ärztin oder einem Arzt, die oder der im Auftrag der personalverwaltenden Behörde ein medizinisches Gutachten erstellt, darf die Personalakte ebenfalls ohne Einwilligung vorgelegt werden. ...

Andere Rechtsgrundlagen für eine entsprechende Weisung (sich untersuchen zu lassen)


Sie haben sicher von der Kontroverse über die Verpflichtung von Arbeitnehmern gehört, unter Umständen schon am ersten Tag einer Erkrankung eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen.

Einige Beamtengesetze erhalten Regelungen für den Fall einer solchen Erkrankung, so z. B.

§ 67 HmbBG: Fernbleiben vom Dienst, Erkrankung
(1) ...
(2) Dienstunfähigkeit infolge Krankheit ist unverzüglich unter Angabe ihrer voraussichtlichen Dauer anzuzeigen und auf Verlangen nachzuweisen. Beamtinnen oder Beamte sind verpflichtet, sich auf Weisung der oder des Dienstvorgesetzten durch eine von der zuständigen Behörde bestimmte Ärztin oder einen von der zuständigen Behörde bestimmten Arzt untersuchen zu lassen. Will die Beamtin oder der Beamte während der Krankheit ihren oder seinen Wohnort verlassen, hat sie oder er dies vorher der oder dem Dienstvorgesetzten anzuzeigen und ihren oder seinen Aufenthaltsort anzugeben.

Ähnlich auch § 67 LBG-SH und § 67 NdsBG.


Verschiedenes


Falls Sie Bedenken bekommen, weil man Sie von einem Amtsarzt untersuchen lassen will, der gar nicht für Ihren Wohn- oder Dienstort zuständig ist, prüfen Sie die örtliche Zuständigkeit.
Ein Hinweis für Experten: Mit schwierigen Einzelfragen befasst sich der Aufsatz von Frau Dr. Stefanie Loroch,
"Die örtliche Zuständigkeit des Amtsarztes", in DÖD 2012, 97 ff.

Bestehen solche Bedenken nicht, folgen Sie vielleicht der Darstellung mit folgendem Link: Kann man die Untersuchung verweigern, welches sind die Risiken?

Oder gehen Sie zurück zur Übersicht Dienstfähigkeit
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§ 48 BBG

(1) In den Fällen der §§ 44 bis 47 kann die zuständige Behörde die ärztliche Untersuchung nur einem Amtsarzt übertragen oder einem Arzt, der Gutachter zugelassen ist. ...
(2) Der Arzt teilt der Behörde auf Anforderung im Einzelfall die tragenden Gründe des Gutachtens mit, soweit deren Kenntnis für die Behörde unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit für die von ihr zu treffende Entscheidung erforderlich ist. Diese Mitteilung ist in einem gesonderten und versiegelten Umschlag zu übersenden und versiegelt zur Personalakte zu nehmen. Sie darf nur für die Entscheidung der in Absatz 1 genannten Fälle verwendet werden.
(3) Zu Beginn der Untersuchung ist der Beamte auf deren Zweck und die Mitteilungspflicht nach Absatz 2 hinzuweisen. Der Arzt übermittelt dem Beamten oder, soweit dem ärztliche Gründe entgegenstehen, einem Bevollmächtigten ein Doppel der Mitteilung nach Absatz 2.