Das Beschleunigungsgebot im Disziplinarrecht der Bundesbeamten
Was ist das Thema dieses Abschnitts unserer Seite?
Es geht
um den Anspruch jedes Beamten auf beschleunigte Bearbeitung eines gegen ihn
gerichteten Disziplinarverfahrens und
um die Möglichkeit, diesen Anspruch mit einem Antrag an das
Verwaltungsgericht zu verfolgen.
Das behördliche Disziplinarverfahren soll grundsätzlich nach sechs Monaten abgeschlossen sein.
Bei Verletzung dieses disziplinarrechtlichen Beschleunigungsgebots sehen § 62
Bundesdisziplinargesetz (BDG) und die entsprechenden landesgesetzlichen
Regelungen ein gerichtliches Fristsetzungsverfahren vor.
Gesetzestext: § 62
Bundesdisziplinargesetz.
Bleibt die Behörde untätig bzw. arbeitet sie zu langsam, so kann der Beamte bei der Disziplinarkammer des
Verwaltungsgerichts beantragen,
dass das Gericht der Behörde eine Frist zum Abschluss des Disziplinarverfahrens setzt.
Voraussetzungen für einen Erfolg dieses Antrags sind nach § 62 I 1 BDG:
- ein behördliches Disziplinarverfahren,
- das nicht innerhalb von sechs Monaten seit der
Zustellung der Einleitungsverfügung durch eine Abschlussentscheidung (Einstellung, Disziplinarverfügung oder Disziplinarklage) beendet wurde.
Die Sechsmonatsfrist ist gehemmt, solange das Disziplinarverfahren nach § 22 BDG ausgesetzt ist.
Das Gericht hat zu prüfen, ob ein zureichender Grund für die
Verzögerung des behördlichen Disziplinarverfahrens vorliegt.
Liegt ein solcher Grund für die Verzögerung nicht vor, bestimmt das Gericht eine Frist, in der das behördliche Disziplinarverfahren abzuschließen ist.
Gibt es dagegen einen die Verzögerung rechtfertigenden Grund, lehnt das Gericht den Antrag ab (§ 62 II Bundesdisziplinargesetz).
Wird das behördliche Disziplinarverfahren innerhalb der vom Gericht bestimmten Frist nicht abgeschlossen, ist es durch Beschluss des
Gerichts einzustellen (§ 62 III BDG).
Der rechtskräftige Einstellungsbeschluss steht einem rechtskräftigen Urteil gleich (§ 62 IV BDG). Eine erneute disziplinarrechtliche Verfolgung wegen derselben Handlungen
ist nach Eintritt der Rechtskraft nicht mehr zulässig. Vielmehr ist die Disziplinarklage verbraucht.
Wenn Sie einen solchen Antrag nicht stellen, so wird die Verfahrensdauer
ggf. bei der Bemessung einer Disziplinarmaßnahme zu berücksichtigen sein -
aber nicht in allen Fällen.
Wägen Sie also sorgsam ab, ob eine beschleunigte Bearbeitung Ihren
Interessen besser entspricht als eine gründliche Vorgehensweise, die länger
dauern kann.
Sprechen Sie darüber mit Ihrem Anwalt!